Preistendenz 06.04.2020

Preistendenz 06.04.2020

Ölbörse fester –

OPEC+ verschiebt Sondermeeting –

Trump droht mit Strafzöllen –

Der Ölpreis hängt von der Wirtschaftsentwicklung in den nächsten Wochen und der geopolitischen Entwicklung (Iran/Libyen/USA/China) ab –

Aktueller Tagespreis 2000l, 06.04. 2020 :

2000l Standard-Heizöl schwefelarm bei einer Abladestelle.

61,86 /100l, Bruttopreis incl. 19% Mehrwertsteuer.

Endpreis ohne weitere Zuschläge.
Zahlung auf Rechnung.
Maximal 8 Wochen Lieferfrist.

Aktueller Trend: Preise höher.

Marktbericht

Eigentlich wollte die Saudi Aramco am Wochenende ihre neuen Verkaufspreise für Rohöllieferungen im Mai veröffentlichen. Dies habe man nun aber mindestens auf Donnerstag oder Freitag verschoben, da man zunächst das OPEC+ Sondermeeting abwarten wolle.

Dies ist als ein Zeichen des Entgegenkommens und der Deeskalation zu sehen. Eine weitere Preissenkung der Saudis im Vorfeld des Meetings hätte die Fronten sicherlich nicht gelockert. Allerdings sollte auch klar sein, dass die Saudis im Falle eines Scheiterns der Gespräche, deren Ziel eine großangelegte und umfangreiche Produktionskürzung ist, die Preise erneut senken dürften, was dem Preiskampf erneut anfachen würde.

Bevor es zu einer koordinierten Kürzung kommt, sind noch viele Fragen offen. Wer kürzt wie viel, wie werden die Kürzungen gemessen und wie kontrolliert?! Nach Plänen der Saudis soll Russland etwa 1,5 Mio. B/T kürzen, was ein Vielfaches der bisherigen Kürzungen wäre. Ob man dazu in Moskau bereit ist, sollte mindestens fraglich sein, zumal man jede Beteiligung bisher von einer Kürzung der US Unternehmen abhängig macht. Bleibt noch viel zu diskutieren, bis man eine koordinierte Kürzung von 10 Mio. B/T durchbringen kann.

Unterdessen gehen Experten davon aus, dass es der OPEC aber ohnehin nicht gelingen kann die Preise nachhaltig zu stützen. Bei Trafigura rechnete man zuletzt damit, dass die Ölnachfrage um bis zu 35 Mio. B/T sinken könnte (03.04.2020 Marktlage) und auch bei Goldman Sachs ging man von einem Einbruch um 26 bis 30 Mio. B/T aus (01.04.2020 Goldman: Nachfrageeinbruch um bis zu 30 Mio. B/T). Auch bei der IEA sieht man das Vorhaben der OPEC+ Länder weiter sehr skeptisch.

Im April werde die Ölnachfrage durch den reduzierten Berufsverkehr, die wirtschaftliche Abschwächung sowie den Ausfall von Flügen um 20 Mio. B/T sinken. Selbst wenn die Ölproduzenten ihre Fördermengen um 10 Mio. B/T reduzieren würden, würde das die Ölbestände im zweiten Quartal wohl um durchschnittlich 15 Mio. B/T steigen lassen, so die Einschätzung des Chefs der IEA, Fatih Birol.

Die Aussicht auf ein OPEC+ Sondermeeting am Donnerstag und die Chance einer Produktionskürzung um 10 Mio. B/T verhindert zumindest weitere Wetten auf fallende Preise. Dies stabilisiert den Markt zunächst, auch wenn ein nachhaltiger starker Preisanstieg vermutlich nicht möglich ist. Ein Deal ist weiterhin fraglich und selbst wenn dieser kommt wird er die Überversorgung nur reduzieren. Für ein Ende der niedrigen Preise ist ein Ende der Corona-Krise und die Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens, des Flug- und des Berufsverkehrs notwendig. Da man in den meisten Ländern allerdings erwartet, dass man den Peak der Pandemie noch nicht erreicht hat, steht dies noch nicht in Aussicht.

Short-Coverings können die Preise wie am Freitag und auch heute Morgen zwischenzeitlich dennoch erheblich stützen. Der Markt wird vermutlich sehr sensibel auf Meldungen zu einer möglichen Produktionskürzung reagieren und extrem volatil bleiben. Zwar gaben die Preise an ICE und NYMEX zur Eröffnung heute Morgen etwas nach, mittlerweile ziehen diese aber wieder an, sodass sich bei den rechnerischen Inlandspreisen momentan Preissteigerungen im Vergleich zu Freitag andeuten.

Nachrichten für steigende + oder fallende Tendenzen an der Börse 

+ Trump: Saudis und Russen wollen Ölproduktion massiv reduzieren
+ Saudi-Arabien fordert Sondersitzung der OPEC+
+ Alberta offen für Kürzungen
+ Trump trifft sich mit Vertretern der US-Ölindustrie
+ USA wollen Lagerkapazitäten der strategischen Reserven vermieten
+ US Ölproduktion im Januar gesunken
+ Johann Sverdrup Ölfeld mit höher als erwarteter Produktion
+ USA und Russland tauschen sich in Sachen Ölmarkt und Ölpreise aus
+ US Schieferölproduzenten bitten um Produktionskürzung von 20%
+ Raffinerien in Europa und USA reduzieren ihre Auslastung
– Saudi-Arabien steigert Produktion auf über 12 Mio. B/T
– US Ölbestandsveränderungen DOE bearish
– Kreml: Keine Gespräche mit Saudi-Arabien
– Irak hebt Produktion und Exporte um 0,2 Mio. B/T an.
– Experten rechnen mit weiterer Preissenkung der Saudi Aramco
– Goldman: Nachfragerückgang könnte auf 30 Mio. B/T steigen
– Weitreichende Reiseeinschränkungen in Europa und USA
– OPEC-Länder und Russland kündigen für April Rekordproduktion an Trump trifft sich mit Vertretern der US-Ölindustrie